Urheber, Recht und Realität

Als kino.to geschlossen wurde, ging das als großer Schlag gegen „Raubkopierer“ durch die Medien. Auch die üblichen ‚Blogs, Twitters etc. berichteten und kommentierten verschieden. War das wirklich der große Wurf – wenn nicht, ist die aktuelle Haltung von GVU und Filmindustrie überhaupt noch zu halten? Wie muß dann Recht und Durchführung reformiert werden, damit Urheber und Nutzer bekommen, was sie wirklich wollen? Zeit für eine Abwägung.

kino.to t

Wie schon an anderer Stelle geschrieben – es ist gut, daß eine Organisation, die siebenstellige Beträge durch Porn’n’Poker-Werbung und die Verbreitung von Schadprogrammen machte, von der Integrierten Ermittlungseinheit Sachsen (INES – dieser Name ist ein Unfall) aus dem Verkehr gezogen worden ist.

Die GVU hat an den Ermittlungen maßgeblich mitgewirkt und hebt den Nutzen für die Künstler hervor. Ist das richtig?

Uploader, die über Beteiligung an Werbeeinnahmen der Stream Hoster verdienten, wurden nicht beeinträchtigt, nur die Mittelsmänner. Auch der Abnehmer hat damit nur eine von vielen Quellen verloren; bissig titelt der Postillon: Razzia bei kino.to zwingt Millionen User, zwei Minuten nach neuer Streaming-Plattform zu suchen.

Eine kriminelle Vereinigung trockengelegt, deren Zuträger wie Abnehmer nahtlos zu anderen Angeboten ausweichen: Die Polizei sollte der GVU eine Belohnung für ihre Arbeit auszahlen. Die Urheber jedoch sollten ihre anteiligen Beiträge von der GVU zurückfordern: Ihnen nutzt dies nichts. So ist auch der Kommentar der Piratenpartei, Abschaltung von kino.to ist reine Symptom-Bekämpfung , keine Sympathie mit den Verhafteten – sondern eine realistische Einschätzung der Sachlage.

Mittlerweile hat Netzpiloten-Autor Stefan Mey eine ähnliche Analyse veröffentlicht, in der er größtenteils zu gleichen Ergebnissen kommt. In Fritz Trackback 236 berichtet er auch von einem Gemeinschaftsprojekt von Pro7-Sat1 und RTL, eine legale Plattform aufzuziehen, die momentan noch nicht den Anforderungen des Kartellamts entspricht.

Die Urheber

Tom Bohn

Thomas (Tom) Bohn, der gerade seinen neuesten Film Reality XL fertigstellt, gehört nicht zur „Content-Mafia“.

Auf Tom bin ich durch seinen Film „Straight Shooter“ gekommen, ein sehr guter und tiefgründiger Film, der zu seiner Laufzeit komplett unterging und jetzt, mehrere Jahre später, positiver bewertet wird und – ähnlich „Alien 3“ – eine eigene Fangemeinde aufgebaut hat. 2004, zum 100jährigen Jahrestag des ersten Völkermordes des 20. Jahrhunderts, der Aufstände in Deutsch-Südwestafrika, fragte ich über seine Website an, ob Gerhard Seyfrieds „Herero“ kein interessanter Stoff für ihn wäre. War es zwar nicht, aber nach einem losen eMail-Wechsel habe ich ihn persönlich auf der Premiere seines Films „Das Kommando“ in München, zu der er mich eingeladen hatte, kennengelernt.

Es gibt ganz wenige deutsche Regisseure, die so ansprechende Filme drehen und ihre Geschichte mit einer solchen Verisimilitüde und Detailverliebtheit umsetzen. (Das Wort habe ich aus dem englischen genommen, es bezeichnet die Kunst, eine Umgebung wahr erscheinen zu lassen – siehe z.B. den Film „Aliens“ oder die Werke Michael Crichtons.) Es gibt vergleichbare deutsche Filme: „23“, „Tattoo“, „Antikörper“ oder „Ihr könnt euch niemals sicher sein“ sind Beispiele, normalerweise muß man dafür allerdings „über den Teich“ gehen.

Tom Bohn ist Reserveoffizier, und das merkt man seinen Filmen wie seinem Buch „Querschläger: Ein Bundeswehr-Roman“ an. Die Actionszenen in seinen Filmen sind glaubwürdig, explosionsartig, gut choreographiert und mit passendem Soundtrack. Die Geschichten stimmen, und das Gleichgewicht zwischen Ruhe und Action paßt. In seinen Filmen – und Tatorts – zieht kein Kommissar seine „Colt Smith&Wesson“ oder befragt einen Verdächtigen nach einer „Pistole 08/15“.

Die „Straight Shooter“-DVD enthält erstmals in Deutschland eine Kommentarspur; und die braucht man oft auch, um alle Details zu erkennen. In „Das Kommando“, ein Film über einen KSK-Einsatz gegen al-Qayda, liegt beispielsweise in der Unterkunft des Protagonisten just jene SPIEGEL-Ausgabe, in der die Verschwörungstheorien zum 11. September widerlegt werden. (Jens Atzorn als Luftlandeoffizier: Atzorn hätte gerade von der Universität der Bundeswehr kommen können, so glaubwürdig spielte er seine Rolle – und war dabei nicht mal selbst Wehrpflichtiger!)

„Der Querschläger“ fand keinen Geldgeber (die unheimlich-realistische Darstellung einer Bundeswehr-Kompanie während eines NATO-Alarms hätte entstellt werden müssen) und wurde ein Roman; „Straight Shooter“ floppte; „Das Kommando“ ist eine Arte-SWR-Fernsehproduktion. Jetzt wandte sich Tom dem Independent-Film zu; sein Portal indie-stars.de als Forum deutscher Independent-Filmer ist leider mittlerweile geschlossen (obwohl ein Forum deutscher/europäischer Indies meines Erachtens immer noch dringend nötig ist), sein neuer Film „Reality XL“ steht kurz vor der Veröffentlichung.

Tom gehört nicht zur „Content-Mafia“. Er hat seine Erfahrungen mit den großen deutschen Filmstudios gemacht; und sich für Independent-Filme entschieden. Er scheut sich nicht, mit der „Piratenpartei“ zu reden. Deshalb ist er ein guter Sprecher für die berechtigten Interessen der Urheber, wie schon Christian Hufgard von der Piratenpartei Hessen in seinem Schlußwort zur Diskussion zwischen den beiden festgestellt hat.

Tom zu Filesharing, Weiternutzung und Urheberrechten

Auszug aus dem Gespräch mit Christian Hufgard (Piratenpartei Hessen):

Christian: Auf indie-stars schreibst du “[es] geht […] in erster Linie um die Sache.” Früher haben wir in der Schule Collagen aus Zeitungsschnipseln erzeugt, heute gibt es Künstler wie Kutiman, die das gleiche mit Videos machen. Hältst du es für illegal, wenn er das auch mit Deinen Filmen machen würde?

Tom: Wenn Kutiman mich vorher um Erlaubnis fragt, kriegt er mein o.k.
Wenn nicht, eine Anzeige.
Deswegen finde ich es auch richtig, dass die Kameraden von Pirate Bay verknackt worden sind.

Christian: Was macht Pirate Bay so viel anderes als Google? Du kannst übrigens so ziemlich alles, was auf Pirate Bay läuft auch dort finden. Und wären jetzt nicht einige Gesetze vollkommen neu ausgelegt, hätten die Macher nach schwedischem Recht legal gehandelt. Denn sie bieten selber keinerlei Material an.

Tom: Es ist und bleibt Klauerei. Und zwar von etwas sehr Wertvollem. Der schöpferische Prozess in einem Menschen ist etwas Einmaliges. Und es hat sehr viel mit Seele, Lebenserfahrung, Liebe und Angst zu tun, wenn man sich und sein Innerstes für einen kreativen Prozess öffnet. Das kann nicht jeder – weil es eben auch Mut erfordert, die Hosen herunter zu lassen und etwas aus dem eigenen Leben preiszugeben. Man wird dafür oft getreten, weil man nicht immer auf Mainstrem ist und man wird von Finanziers gebeutelt, die nur ihre Kohle im Sinn haben … von der “feinfühligen” Art mancher “Kulturkritiker” will ich hier gar nicht schreiben.

Auf einer Reality XL-Fansite wurde das Thema weitergeführt, nachdem eine Mitarbeiterin auf das Gespräch mit Christian hingewiesen hatte:

Ralf: Wie üblich interessant – leider beschreibt das Gespräch auch genau das Dilemma. Es ist NICHT möglich, Tauschbörsen zu verhindern (dezentrale Strukturen gibt es längst – das ist nicht mehr „Napster“). Das Geld, das damit verdient wird, geht teilweise in die Organisierte Kriminalität.
Nein, ich habe keine Patentlösung. Wenn man die nicht hat, dann muß man halt testen, was möglich ist. Aber nichts tun und auf praktisch nicht mehr umsetzbare Rechte zu pochen, ist KEINE Lösung.
Die Frage ist nicht mehr, was einem gefällt, sondern, was möglich und umsetzbar ist – leider läuft das auf die Internet-Abgabe heraus.
kino.to ist nichts anderes als die Verhaftung einer kriminellen Organisation. Nicht mehr und nicht weniger. Uploader sind überhaupt keine betroffen, und das „Angebot“ ist damit nicht beeinträchtigt worden. Große Pressemeldung, ändern tut sich aber nichts. Ist das WIRKLICH, was ihr wollt?

Tom: Du fragtest was wir WIRKLICH wollen. Ich kann da jetzt nur für mich reden: Ich mag nicht beklaut werden. Für alles andere bin ich offen.

Ralf: Ich sehe das Problem, aber wie gesagt – Filesharing wirst Du nicht mehr los. Was bleibt, ist die Option, daß DU das Geld bekommst, und nicht die OK; und daß der Film zu DEINEN Bedingungen freigegeben wird (mit Werbung für Dein nächstes Projekt und in komprimierter Qualität, sowie einem Verweis auf die DVD und was dort alles zusätzlich drauf ist).
Klar ist das gut, daß kino.to gesprengt ist (als Malware-Verbreiter und wegen illegaler Bereicherung). Leider nutzt das aber den Urhebern nichts.
Ch. Hufgards Vorschlag einer generellen Abgabe IST sehr generell, ja; leider aber auch sehr realistisch bzgl. der Machbarkeit.
Ich bin frech und drehe den Spieß um: Meine Vorschläge bzw. was /ich/ für möglich halte, habe ich hier und im Artikel geschrieben. Wie könntet Ihr euch ein technisch mögliches System vorstellen, das Euch am Ende die Gewinne zufließen?

Tom: Wir haben schon dieses System, Ralf. Wir können drehen was wir wollen, ob staatlich finanziert oder nicht …. wir haben eine Künstlersozialversicherung, einen ausgefeilten Urheberrechtsschutz, sodass uns niemand die Ideen klauen kann (nicht mal die Amis), … wir können von unserer Arbeit gut leben – und wenn nicht, hilft uns der Staat mit Sozialversicherung und Überbrückungsgeldern. Ein über Jahrzenhte gewachsenes und immer wieder verbessertes System. Und wir werden einen Scheissdreck tun, es so einfach dranzugeben, nur weil ein paar Theoretiker meinen von der „Anarchie im Web“ faseln zu müssen.

Ralf: Ja, das System für die Künstler hört sich gut an.
Offenbar funktioniert es auch weiter in Zeiten des Filesharing (wenn, wäre es auch schon von den Videorekordern zerstört worden – gegen die Veränderung ist Internet relativ harmlos). Das war aber nicht meine Frage.
Aktuell führt der Download von Filmen dazu, daß Beträge in Milliardenhöhe als Schwarzgeld fließen – und das ist keine Theorie.
Worum es jetzt geht, ist eine weitere „Verbesserung“ des Systems, die

  1. diese Beträge von der Organisierten Kriminalität wegleitet und
  2. die Künstler an diesen Beträgen beteiligt.

Spektakuläre Fälle gegen Piratebay (längst wieder online) und kino.to zeigen, daß die Uploader davon kaum beeinträchtigt werden.
Eigentlich könnt ihr von der GVU anteilig eure (mittelbar gezahlten) Mitgliedsbeiträge zurückverlangen – was sie bei kino.to getan hat, nützt der Bekämpfung der OK, aber hat keine Auswirkungen auf Urheberrechtsverstöße.

Tom: Die „Verbesserung“ des Systems findet bereits statt. Tausende von bis jetzt bedeutungslosen Anwälten klagen für die Multis inzwischen Beiträge in Milliardenhöhe ein. Irgendwann werden sich die VGs sich da anschliessen und uns Künstler an dem eingeklagten Geld beteiligen. Ich habe auf dieses so erworbene Geld keine Lust und hoffe daher , dass die User einsichtig sind und anständig bleiben/werden. Wer auf andere Lösungen hofft. wird enttäuscht werden.

Akzeptable Nutzung

Ich möchte erst weiter unten auf die „anderen Lösungen“ eingehen; ein Problem sehe ich bisher: Wann fühlen sich Urheber „beklaut“?

Wenn man dem Ver.Di-Newsletter für Selbständige und Freie Künstler folgt, bemerkt man bei einigen Künstlern manchmal ziemlich „optimistische“ Honorarvorstellungen, und besonnenere Mitglieder versuchen, sie wieder auf den Boden zurückzuholen. Ein Bild wird als Titelillustration bei einem Kleinverlag nicht das gleiche Honorar wie bei einem Großverlag einbringen – der Großverlag wird dem mittelständischen Künstler den Auftrag aber erst gar nicht geben.

Wenn jeder DVD-Seher stattdessen den vollen Kinopreis gezahlt hätte, dann hätten viele Filmemacher wesentlich mehr Geld gemacht – diese Rechnung wühlte die Filmverwerter bei Aufkommen von Videorekorder und Videotheken auf. Realität ist aber: Viele Menschen, die eine DVD sehen, wären gar nicht erst ins Kino gegangen. Ohne die damals bekämpfte Zweitverwertung auf Videomedien würde die Filmindustrie wesentlich weniger Gewinn machen; und „Direct-to-Video-Releases“ ermöglichen Filmproduktionen, die es ohne diesen Vertriebsweg gar nicht geschafft hätten – bei weitem nicht alle davon sind schlecht.

Es ist klar, daß Urheber nicht wollen, wenn Dritte Millionenbeträge aus ihren Filmen gewinnen – wie jetzt kino.to und unzählige andere. Diese Millionen gilt es, zu den Urhebern umzuleiten.

Aber bei weitem nicht jeder, der einen Film herunterlädt, würde die DVD kaufen.

Die Realität

Das Internet ist darauf ausgelegt, daß es sogar nach einem Atomkrieg noch funktioniert.
Das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum es vorher so schlecht funktioniert.

Alter IT-Spruch aus der Mitte der 90er-Jahre

Nach einem Atomkrieg werden viele Seiten nicht mehr funktionieren; selbst der Einsturz des World-Trade-Center hat viele Bereiche vorübergehend lahmgelegt. Die Aussage hat aber einen sehr wahren Kern: Das Internet arbeitet mit Redundanzen und Ausweichmöglichkeiten. Ist es normal für jeden, einen „Plan B“ zu haben, so gibt es im Bereich Internet oftmals die Pläne A..Z und darüber hinaus. Mit dezentralen fehlertoleranten Strukturen ist nahezu jeder Schaden am Netz zu überbrücken (was bei den Netzdienstleistern oftmals auch gut so ist); das macht es aber auch einfach, darüber und Techniken wie Tunelling Sperren zu umgehen und Gesetze zu brechen.

Rotchina, Burma, Nordkorea und die Zwerg-Polizeigewerkschaft BdK können dieses Problem nur dadurch lösen, jeden Verkehr durch staatseigene Gateways zu leiten – und trotzdem werden diese Netzsperren noch umgangen.

Das war der Todesstoß des „Zensursula“-Zugangssperrengesetzes. Und das führt dazu, daß nach nur wenigen Minuten bis Stunden alle gesperrten Inhalte wieder verfügbar sind. Es ist ein Wettrüsten zwischen Befürwortern und Gegnern der Netzverfügbarkeit. Die Gegner haben die gesamte fundamentale Architektur des Internet auf ihrer Seite, die Befürworter gegen sich. Was gut so ist: Verfahren und Programme, aus Tsingtau auf die Seiten von Radio Free Asia zuzugreifen, werden an westlichen Universitäten entwickelt.

Es ist nicht so, daß Rechteverwerter nicht bereit wären, so weit wie Rotchina und Nordkorea zu gehen; allerdings sind wir im Westen immer noch in einem Rechtsstaat mit Freiheitlich-Demokratischer Grundordnung. Politiker lassen sich halt doch nur bis zu einem gewissen Punkt von der Lobby beeinflussen. Wenn der Protest dermaßen groß wird wie gegen „Zensursula“, dann können sie es sich nicht leisten, das durchzupeitschen.

Allgemeine Netzabgabe

Was kann man tun? Noch ein Auszug aus dem Gespräch zwischen Christian Hufgard und Tom Bohn:

Christian:Zwei Ansätzen zur Lösung des Problems:
1. Das Bewusstsein für freie Inhalte schärfen …

Tom: Sehr gut und richtig.

Christian: 2. Die Urheber über eine Abgabe auf Internetzugänge entschädigen.

Tom: Das findest du gut? Hoi … hätte ich nicht gedacht.
Ich finde das viel zu generell.

Christian: Viele Piraten diskutieren darüber – deutlich differenzierter als die Grünen. :) Denn wir sehen in dieser Abgabe sowohl Chancen als auch Risiken.

Vorteile:

  • Der Up-/Download von urheberrechtlich geschütztem Material wäre nicht mehr strafbar
  • Urheber werden für diese Privatkopien entschädigt
  • Der kommerzielle Handel ohne Einwilligung des Urhebers ist nach wie vor strafbar.
  • Eine totale Überwachung des Internets wäre nicht mehr nötig

Nachteile:

  • Es würden auch Abgaben gezahlt von denen, die keine Up/Downloads betreiben
  • Die Verteilungsproblematik müsste z.B. von der GEMA übernommen werden

Ich kann Tom verstehen – eine allgemeine Abgabe ist ein Faß voller Läuse. Wer notiert, daß ich gerade den neuesten Tom Bohn-Tatort herunterlade, damit die Tantiemen auch an Tom gehen? (Das ist übrigens das gleiche Problem bei DVD-Rekordern und -Rohlingen.) Die GEMA ist bei der Verteilung solcher Pauschalbeträge nicht das beste Beispiel.

Andererseits: Was soll man sonst machen? Wer alle illegalen Dateien wieder aus dem Netz bekommt, wird in Deutschland nach §307 StGB bestraft. Der Geist ist aus der Flasche. Auch ich bekomme beim Gedanken an eine allgemeine Internet-Abgabe spontanen Juckreiz am Kopf; ich denke auch, daß die Idee Christian nicht besonders gut gefällt.

Das Problem ist nur, andere Alternativen sind – zumindest jetzt – noch schlechter.

Das Recht

Ein Recht, das nicht durchsetzbar ist, taugt nichts. Wer erinnert sich nicht an den König in Saint-Exupérys „Kleinen Prinzen“? Er befahl der Sonne, auf- und unterzugehen – wußte aber, daß es darauf ankam, wann er diese Befehle gab (vor Sonnenauf- und -Untergang, natürlich). Wenn man einerseits jeden Studenten pauschal wegen Urheberrechtsverletzung verurteilen könnte, andererseits Millionen an Schwarzgeld gemacht werden, dann haben wir eigentlich genau die Lage wie in den USA zur Prohibitionszeit.

Die Musikindustrie verklagte arbeitslose Alleinerziehende – und bekam dafür ihr Fett weg. Jetzt schreibt der Playboy: „5 Reasons Why It’s Okay to Pay for Music Again“ Es gibt erfolgreiche Gruppen, die das Internet als alleinige Werbeplattform entdeckt haben und ihre Musik vollkommen ohne ein großes Label vertreiben.

Abmahnungen sind nun wirklich ein alter Hut. Sie führen zu genau einer Sache: Der Nutzer macht es dem Anwalt immer schwerer, ihn zu identifizieren. Nach dem zentralistischen Napster kamen dezentrale Dienste wie eDonkey. Anonymisierungen sind nur aus einem einzigen Grund noch kein allgemeiner Standard: Weil der Bedarf noch nicht da war. Wenn die Abmahnanwälte erstmal in großem Stil Speed in die Nase einwerfen, wird sich das ganz schnell ändern.

Eine Sache ist gefährlich: Die Geister, die man rief, wird man nicht mehr los. Jetzt fluten „HD“-Versionen in DVD-Qualität die Netze. Die Infrastruktur ist da. Die Möglichkeiten, mit legalen Angeboten zu kontern, werden eingeschränkt; der Nutzer wird nicht mehr bereit sein, den gleichen Preis wie früher zu zahlen.

Was Nutzer wollen

Nach der Urheberseite stellt sich die Frage nach dem Willen der Nutzer.

Legale Angebote

Das Problem amerikanischer Serien ist, wie im letzten Artikel schon geschrieben, vollkommen hausgemacht. Gemeinsame Sendetermine (Burgess nannte das „Globovision“) sind ohne weiteres möglich; wenn sich Fernsehsender nicht zieren würden wie die wasserscheuen Bären, wäre über den aktuellen digitalen Standard auch Zweikanalton mit Originaltonspur ohne weiteres möglich. Wenn genügend Nutzer bereit sind, sich die Serien illegal zu beschaffen, dann sind die gleichen Nutzer auch bereit, im Fernsehen Werbung auszuhalten. Damit steigern sie die Quoten, und Sender sollten den höheren Lizenzpreis für gleichzeitige Sendung mit Originaltonspur aus der Werbung refinanzieren können.

Serien und Filme schauen zu können, wann man dafür auch Zeit und Muße hat, geht in den USA schon mit hulu. Hulu ist eine Streaming-Seite, zu der mehrere große US-Fernsehsender den Inhalt beitragen. Die Seite ist werbefinanziert. (A modest amount of advertising runs during normal commercial breaks.) Freier Zugang bietet das aktuelle Programm sowie – bei Serien – die letzten paar Folgen an; der „Premium“-Zugang für unter 10$/Monat bietet Zugriff auf die gesamte Backlist (Serien ab Staffel 1 und länger zurückliegende Filme und Produktionen). In Deutschland wäre das auch eine gute Möglichkeit, GEZ-Gebühren für Internetrechner sinnvoll abzurechnen (Super-Premium-Zugang bietet dann alle Filme und Serien außer ZDF-Schnulzen): Jeder Nutzer gibt eine gültige GEZ-Nummer an bzw. meldet sich über die Seite direkt an.

Fair Use

Das amerikanische Prinzip des „Fair Use“ ist durch in den USA vorgehaltene Videoportale längst globalisiert worden; auf YouTube reden die Kommandanten des Todesstern mit Darth Vader auf Schwäbisch über „Viral Marketing“ oder Arnold Schwarzenegger unterhält sich in tiefstem Bayrisch mit dem Waffenhändler aus „Terminator“ über Ehebruch. „Fair Use“ definiert klare Voraussetzungen, wann eine Nutzung urheberrechtlich geschützten Materials legal ist.

Dies brauchen wir auch in Europa. Es führt dazu, daß Künstler urheberrechtlich geschütztes Material in bestimmten Grenzen ungefragt weiterverwenden können, ohne dafür eine Anzeige zu bekommen; definiert aber auch diese Grenzen klar, so daß den Urhebern die Idee nicht geklaut wird.

Verfügbarkeit bei Nachfrage

Als Nutzer wünsche ich mir aber vor allem, Filme verfügbar zu haben. Im Oktober 2008 lief der Film „Ihr könnt euch niemals sicher sein“ von Eva und Volker Zahn unter Regie von Nicole Weegmann. Die Kritik lobte den Film, Lehrerverbände kritisierten durchweg die realistische Darstellung der Lehrer und warben für Verständnis dafür, daß sich Direktorat und Lehrer über die Gutachten klinischer Psychologen hinwegsetzten. Trotzdem gewann der Film den 3Sat-Zuschauerpreis 2008.

Der Film lädt nahezu dazu ein, ihn an Universität, Schule oder in Spartenkinos zu zeigen und darüber zu diskutieren. Die DVD kam jedoch erst ein Jahr später, Ende 2009, heraus; und dann nur in einer „Gewinner-Edition“. Auch wenn der Film keine Preise gewonnen hätte – daß andere Filme die Zuschauer mehr bewegen, sagt schließlich nichts über die Qualität eines Films aus. Interessenten mußten den Film ein Jahr lang als ARD- oder 3Sat-Mitschnitt suchen. Thomas Bohns „Das Kommando“ hatte auch eine recht lange Wartezeit bis zum Erscheinen der DVD. Mußte das sein? Ein Fernsehfilm sollte eigentlich kurz nach der Ausstrahlung schon veröffentlicht werden.

Andere Filme, wie die geniale SWF-Mittelalterserie von 1979 „Die Leute vom Domplatz“ oder John Irvins „Robin Hood“ aus 1991, sucht man bisher vergeblich (oder sie werden jetzt langsam – 10 Jahre nachdem sich DVDs durchgesetzt haben, 25 Jahre nach Einführung des Videorekorders – veröffentlicht).

Und damit ist das Filmmedium noch relativ gut dran. Den Soundtrack von „Straight Shooter“ oder Joseph Vilsmaiers „Stalingrad“ suchte ich lange, bot bei Auktionen je ca. 115,- DM dafür – und bekam sie für 1-10,- DM. Alles das bei Medien, die sich – im Gegensatz zu Büchern – vollkommen problemlos für „on demand“-Technologien eignen; Cover gedruckt (oder per .PDF dazugelegt), Medium in Kleinauflage (z.B. „Huckepack“ auf einer Großauflage) gebrannt, fertig. DVD oder CD in Produktionsqualität.

„Das Kommando“ geht, Kritiken zufolge, diesen Weg; leider als Pionierprojekt. Ein Audiokommentar ist bei diesem Film dringend nötig; sehr schnell kann man Bonusmaterial durch weggeschnittene Szenen, die Pressehefte als PDF und Trailer zu einer DVD hinzufügen, ohne die Produktionskosten explodieren zu lassen.

Abmahnung: Die Hand beißen, die einen füttert

Absolut gar nicht geht der „Orion“-Effekt: Die alte „Raumpatrouille Orion“ von 1966 überlebte bis heute vor allem durch ihre Fans, die ihr die Treue halten und mittlerweile in die vierte Generation gehen. 2003 kam die Firma „Schwanstein Entertainment“ auf die Idee, die sieben Folgen zu einem Kinofilm zusammenzuschneiden. Geplant war eine Merchandising-Offensive mit Orion-Parties und Schickeria-Drinks. Der Erfolg war nicht überwältigend: Viele Fans wurden vergällt. Raumpatrouille war eine ernst gemeinte SF-Serie, die sich nicht  hinter Star Trek zu verstecken braucht. Der Film wiederum stellte die Serie als Trash dar und strotzt vor respektlosen Verballhornungen.

Damit blieb „Schwanstein Entertainment“ auf einem mittelmäßig erfolgreichen Film und ohne Schickeria-Merchandising sitzen; das ist aber nicht das Tragische. Tragischer ist, daß Anwälte der Bavaria kurz vorher Fanseiten eben jener Fanszene, wegen der Orion überhaupt 2000 noch nicht vergessen war, abmahnten. Dies betraf sowohl das private „Orion-Museum“ im Netz, als auch Christian Wilkes Rollenspiel.

Schon 2000 mußten Warner Bros. und JK Rowling feststellen, daß es eine schlechte Idee ist, die eigenen Kunden zu antagonisieren. Beide hatten Fan-Webseiten zu „Harry Potter“ systematisch abgemahnt – was zur „PotterWar Campaign“ führte. Die Website forderte Fans dazu auf, Merchandising vollständig zu boykottieren. Am Ende knickte Warner ein; Organisator Alastair Alexander faßte die Forderungen der Seite zusammen: „Try a little tact when dealing with children.“

Im deutschen Recht gibt es leider kein „Fair Use“. Daß es Leute gibt, die von einer Idee so begeistert sind, daß sie sie jahrelang bis jahrzehntelang am Leben erhalten, sollte den Künstler und den Rechteinhaber freuen; wer so engagiert ist, eine Sammlung im Netz zu dokumentieren oder ein Rollenspiel zu schreiben, der gibt auch Geld als Kunde aus – und führt vor allem als Werbeträger neue Kunden der Marke zu.

Wenn die Fans allerdings „Star Trek: The Next Generation“ erwarten und „Traumschiff Surprise“ bekommen, hat wohl jemand in der Projektplanung/Marktforschung Mist gebaut. Star Trek- wie Orion-Darsteller treten regelmäßig auf Conventen auf; der sehr geschäftstüchtige Gene Roddenberry versuchte niemals, die Fanszene von „Star Trek“ einzuschränken. Solche Art von Abmahnungen können leicht PR-Disaster werden und sind in jedem Fall nur der Biß in die Hand, die das Medienunternehmen füttert.

Was tun?

Über mögliche Geschäftsmodelle zu spekulieren, führt selten zu ihrer Umsetzung. Janis Ian hat dies in „Nachbeben“ auch getan; umgesetzt wurde das nicht. Ursprünglich wollte ich hier vorschlagen, daß Filmemacher ihre Filme als 650MB-DivX-Version per BitTorrent frei zur Verfügung stellen, und auf diesem Weg DVDs-On-Demand und Merchandising anbieten sollten.

Dieses Konzept hatte aber einen gravierenden Nachteil: Gibt’s schon. Heißt „vo.do“; die Plattform bietet – neben einem kostenpflichtigen Abonnement für die Filme – freien P2P-Download in DivX- und Matroska-Qualität an. Filmemacher können per Crowdfunding Spendengelder für ihre Filme einwerben.

Die Filme werden als BitTorrents zur Verfügung gestellt; ein Torrent identifiziert jede Datei ein-eindeutig (Hash), so daß gesichert ist, daß zu einem bestimmten Torrent-Link eine exakte Datei gehört. Torrents fordern nur am Anfang hohe Bandbreiten vom Anbieter, bis sie von genügend anderen Nutzern angeboten werden. Sie werden bereits vielfach zum Vertrieb legaler Inhalte verwendet, z.B. FLOSS-Betriebssysteme wie Linux oder BSD und kanadische oder norwegische Fernsehsendungen.

Der australische Film „The Tunnel“ ist dort verfügbar; DVDs und andere Produkte werden über die Filmseite auf einer eigenen Shopplattform angeboten.

Die freien Versionen sind nicht über eine Creative Commons-Lizenz freigegeben; die Geldgeber forderten einschränkende Bedingungen, so daß keine abgeleiteten Kopien und keine Vorführungen möglich sind. Für die 3GB-Version mag das sinnvoll sein; für die 700MB-Version ganz sicher nicht, diese Qualität eignet sich nicht für eine größere Vorführung, und auch Weitergabe auf CD oder USB sollte kein Problem sein. Die bewährte und sichere Creative Commons Nichtkommerziell-Unverändert-Lizenz hätte dafür nicht verlassen werden müssen.

Was wird nun mit „The Tunnel“ passieren?

Im schlimmsten Fall passiert gar nichts. Alle Filme sind sowieso „da draußen“, nur in illegaler Form; und was einmal im Netz ist, bleibt da auch. Kommerzielle Veröffentlichung über ein Massenlabel beeinflußt das auch nicht – spätestens am ersten Verkaufstag ist der Rip im Netz.

Für den Nutzer stellt sich die Wahl: Er kann einen Film illegal herunterladen – und hat keine Garantie für die Qualität. Oder er geht auf die offizielle Seite, bekommt den Film in garantierter Qualität (moderat, aber zum „Probesehen“ vollkommen ausreichend), am besten mit einer kurzen Ansage des Autors, Regisseurs oder Produzenten (ja, ich vermisse die alten Ansagerinnen im Fernsehen…). Was würden Sie wählen? Genau. Illegale Versionen und Angebote können auf Dauer damit verdrängt werden.

Eher werden jedoch DVDs geordert werden – direkt auf der Website, oder über den Plattenhandel. Sebst DVD-on-Demand würden zwar nicht die Gewinnmargen wie Massenproduktionen abwerfen, aber für Produkte, die es andernfalls gar nicht gäbe, ist die Marge angemessen.

Der Vertriebsweg über DVD-on-Demand ist mehr oder weniger neu; der restliche Vorschlag – Produktversionen in komprimierter Qualität zur Promotion der Medien – war das Geschäftsmodell von Audiogalaxy.

Mit den Geldern, die für die Ermittlungen gegen kino.to und andere Portale ausgegeben wurden, hätte die GVU sicher selbst so ein Portal aufziehen können – und damit illegales Sharing nachhaltig bekämpft und die Werbeeinnahmen an die Verwerter umgelenkt. Auch das Kartellamt, das die bisherigen Pläne vereitelt hat, hätte die mächtige Verleger-Lobby sicher mit gleichen Mitteln wie die kino.to-Sprengung zu einem Kompromiß bewegen können.

Nach 14 Jahren Irrfahrt ist dieser Ansatz wenigstens den Versuch wert, den Hafen von Ithaka zu erreichen. Nachahmung dringend empfohlen.

Comments
5 Responses to “Urheber, Recht und Realität”
  1. Eine gute Sache. Zur Überlegung vielleicht nur folgendes: Die BBC hätte ihr Archiv nicht vervollständigen können, hätte es nicht die Fans gegeben, die mit Mitschnitten verloren gegangendes Material wieder ergänzt haben – mit „Raubkopien“.

    Die Abschaltung von kino.to ist inder Tat allein wegen der Malware-Vermeidung eine gute Sache. An dem durch Austausch urheberrechtlich geschützten Materials hervorgerufenen Verkehr wird sich kaum was ändern.

    Neue Geschäftsmodelle für die Musik-und Filmindustrie zu finden bedeutet nicht nur, neue Vertriebswege zu suchen, sondern die Finanzierung von Projekten von der ersten Sekunde an neu zu denken. Insbesondere im Musikbereich kann nach den eigenen Verbandsangaben als widerlegt angesehen werden, dass jeder, der nicht „raubkopiert“, ein CD-Käufer wird (vgl. openmusiccontest.org).

    Die Abmahnung ist und bleibt ein probates Mittel der Rechtewahrnehmung. Die Frage ist, wie man verloren gegangene Akzeptanz beim Rechtsbrecher wieder herstellt – m.E. nicht dadurch, dass man massenhaft die Eltern von Teenagern, die über P2P-Netzwerke Musik tauschen, mit Forderungen in nicht nachvollziebarer drei- oder vierstelliger Höhe konfrontiert und ihnen ein Schreiben schickt, das selbst für Fachleute kaum zu durchdringen ist. Ich persönlich fände es gut, wenn es einen „Strafzettel“ für Urheberrechtsverletzer geben könnte – eine fixe Strafe, bei der sich jeder überlegen kann, ob er „zu schnell fährt“ – äh ich meine: „illegal kopiert“ und die Strafe risikert.

    Eine Art von „Fair Use“ sollte es auch m.E. im kontinentaleuropäischen UrhR-System geben. Über Grenzen und Ausgestaltung bin ich mir jedoch selbst nicht im Klaren, wie ich gestehen muss. Aber die Restriktionen des europäischen UrhR, die die Verwerter-Lobby durchgesetzt haben, sind Kreativitätsvernichtend. Das System neu auszutarieren, ist aber schwierig.

  2. Kolja sagt:

    Die Internetabgabe – das Hirngespenst der Grünen?

    Die Internetabgabe ist ja schon gut ein Jahr im Gespräch , wäre ich ein Downloader oder ein Elternteil mit Kindern im Teenalter- so würde ich mir eine solche Regelung echt wünschen. Letzteres wird mich mal treffen von daher wären die 10 Euro im Monat gut angelegt um ein schon heftiges Risiko los zu werden.

    Das Problem ist aber:
    Es grenzt schon an eine Bankrotterklärung, wenn man etwas, was man verbieten müsste, nur deswegen legalisiert, weil man es nicht in den Griff bekommt.
    Als nächstes muss man sich das Ganze auch mal auf der Zunge zergehen lassen: Die ‚Kleinen‘ Künstler profitieren sicherlich durch die Verbreitung ihres Geistiges Eigentums und haben wohl eher kein Problem mit der jetzigen Situation. ‚Grosse‘ Nummern oder Gesellschaften verlieren aber defintiv Geld.

    Damit sieht die Sache objektiv so aus:
    Eine Kleine Gruppe, die finanziell gut da steht, wird von einer grösseren Minderheit (meistens Teenager oder Leute mit wenig Geld, aber auch von dem ein oder anderen OTTO-Normalverbraucher) geschädigt.
    Um das jetzt zu kompensieren möchte diese kleine Gruppe die komplette Allgemeinheit der Internetnutzer (die mit Sicherheit in den nächsten 20 Jahren fast alle ausser Komapatienten und Kleinkindern betrifft) zur Kasse bitten, obwohl diese die Sache nachweislich nicht tun. Hinzukommt das die Allgemeinheit sowieso für die GEZ schon Internetgebühren bezahlt. Wer darüber nachdenkt: Wer im Internet Downloadet, warum sollte dieser noch Fernsehen mit Werbung sehen, wenn er es im Internet ohne Werbung zu jederzeit legal sehen kann? So oder so wird hier jeder der Nutzer doppelt zur Kasse gebeten, also geschädigt von der Kleinen Gruppe, weil diese geschädigt worden ist. Fair könnte demnach nur sein das es aus den GEZ-Gebühren bezahlt wird, die dafür nicht erhöht werden dürften. Das wiederrum kann ARD und ZDF nicht zulassen.

    Lustig wird die Sache wenn man näher ins Detail geht: 2008 wurde Stefan Raab für das senden ohne Rechte eines Ausschnittes vor 500.000 Zuschauern zu circa 1300 € Strafe verdonnert. Ein Schüler bekamm für den Upload eines Bildes ohne Rechte auf seiner Schülerhomepage schon höhere Strafen aufgebrummt.
    -> Anscheind scheint hier die Masse nicht zu zählen. Das bedeutet dann im Umkehrschluss: Ich lade einfach ein paar selbstgemachte Bilder auf meine Homepage und kann dann Geld aus dem neuen Topf verlangen weil jemand diese ja runterladen könnte. Ich mach auch gerne Werbung für die Seite damit sie etwas traffic bekommt und die Leute das Bild auch mal anklicken. Wenn dann jeder eine Homepage macht, kann man sich die 10 Euro euch gleich selber überweisen oder es gleich ganz lassen.

    Von der Problematik: Hier in Deutschland wäre es dann erlaubt in allen anderen Staaten nicht mal ganz abgesehen…..

    So sehr ich das freikaufen für 10 € im Monat für mich aufgrund Elterlichen Verpflichtungen wünsche, es ist einfach realitätsfremd, unsozial und sinnlos. Unser Rechtssystem basiert darauf das wir die TÄTER bestrafen, nicht das wir die OPFER durch die Allgemeinheit entschädigen und den Tätern Absolution erteilen.

    Vor diesem Hintergrund:
    Das Schließen von Kino.to mag ein Tropfen auf den heißen Stein sein, es ist dennoch der richtige Weg.

    • dingosaar sagt:

      Zunächst einmal: Jedes Recht ist nur dann sinnvoll, wenn man es auch durchsetzen kann. In Texas ist Oralverkehr verboten (daher ein Zitat aus „Walker: Texas Ranger“, als ihm eine Frau anbot, mit ihm „Gesetze zu brechen“). Ein Gesetz gegen Einhornrennen (wie es Charlie Brooker so schön sagte) wäre vollkommener Humbug.

      Verschlimmert wird das, wenn kommerzielle Raubkopierer Terror und Organisierte Kriminalität finanzieren. Damit werden Polizei-Ressourcen gebunden für etwas, für das die Rechteverwerter ohne weiteres selbst Gewinne einfahren könnten. Es dürfte leichter sein, unter Studentinnen eine Jungfrau zu finden, als einen Studenten ohne Filesharing-Erfahrung. Es sind weder „Minderheiten“ noch „Teenager“ – geh mal locker von 80% der Internetnutzer aus, Tendenz steigend.

      Klingt das alles irgendwie bekannt? Es sollte: USA, 1920-1933, Prohibition. Anstelle Abstinenz wurde der Spirituosenmarkt komplett von legalen Geschäften auf das Organisierte Verbrechen umgeleitet. (Und DAS ist auch der eigentliche Grund für Legalisierungsbestrebungen selbst für harte Drogen, kein „Recht auf den Rausch“).

      Es grenzt schon an eine Bankrotterklärung, wenn man etwas, was man verbieten müsste, nur deswegen legalisiert, weil man es nicht in den Griff bekommt.

      Exakt. Es ist eine. Die wahre Lehre von „kino.to t“ ist nämlich: für ohne Zwang Millionenbeträge wurden von GVU und Polizei Ressourcen ausgegeben, um eine Plattform nach sechs Jahren zu bekämpfen – und das hat keine praktische Auswirkung. Und das alles auch nur, weil europäische Verwerter es nicht schaffen, in den USA längst angebotene legale Angebote auf Deutschland zu übertragen; Millionen Steuergelder werden verpulvert, um die entgangenen Gewinne doch nicht verhindern zu können.

      ‘Grosse’ Nummern oder Gesellschaften verlieren aber defintiv Geld.

      Selbst „Große Nummern“ wie Lady Gaga bekommen für ihre Datenträger anscheinend gerade mal Hungerlöhne; nicht nur Janis Ian (und, STERN-Artikel über Künstler, „Die Killerpilze“) machen ihr Geld mit Konzerten, Lesungen u.ä.. Wie man ein Life-Konzert raubkopieren will, muß mir erst mal jemand zeigen, soweit ist die Klontechnik noch nicht.

      Gesellschaften sollen Geld verlieren. So viel, daß die ganze Poke bankrott geht oder umdenkt. Deine Argumentation ist konservativ; ich kontere sie locker liberal: Nach der Dampfmaschine verloren die Verlagsarbeiter ihre Stellen, nach der Computerisierung die Schreibstubenmitarbeiter. Es gab eine Zeit, als Verwerter mit ihrem Geschäftsmodell erfolgreich waren; diese ist durch das Internet vorbei. Entweder, sie passen sich an, oder sie sterben. Volkswirtschaftlich eins wie das andere: Auch Verlagsarbeiter des 19. Jahrhunderts haben am Ende wieder Stellen bekommen, besonders in einem Sozialstaat.

      Eine Rechteabgabe zahlst Du mit jedem CD/DVD-Rohling und jeder Leerkassette (schlechtes Beispiel, ich weiß). Die ganzen Unkenrufe hatten wir schon bei Aufkommen der Compact Cassette und der Videokassette. Nein, Du kannst keine Bilder auf Deine Website stellen und dann Geld verlangen, dafür mußt Du Mitglied einer Verwertungsgesellschaft werden, und die nehmen nur Künstler an, die eine gewisse Schöpfungshöhe erreichen (Schriftstellerverbände und VG Wort z.B. keine Autoren, die nur bei Zuschußverlägen publizieren). Ja, es ist ein Faß voller Läuse, die Abgaben den Künstlern zuzuordnen (und im Internet noch wesentlich einfacher als bei Medienrohlingen). Die Internetabgabe ist das kleinere Übel.

      Regionalisierung: Exakt, dann ist etwas in Deutschland legal, was in Frankreich oder den USA illegal ist. Wie es jetzt schon gang und gäbe ist. Die USA haben Fair Use; das wird in Europa diskutiert, aber bis zu einer Verabschiedung in der EU dauert es noch ziemlich lange (2 Dissertationen laufen in dem Bereich gerade, plus diverse Forschungsaufträge). Geh nach Holland, kaufe einen Joint, und fahr damit nach Deutschland; oder kauf in Frankreich „Gitanes Mais“. Geh zur Polizei, „Schaut mal, was ich habe“. ‚Nuff said.

  3. René Lehnert sagt:

    in deutschland und frankreich,oder andere assiländer ist nichts mehr normal.die realisierung besteht darin,das ein sender wie rtl odersonstiges einen menschen veräppeln.warum?das ist hier die frage.ich kann es erzählen oder schreiben.aufgepasst.retl macht aus menschen australische ausländer,damit ein promi 50,000 euro bekommt.warum stellen diese rtlassis kein normalo ein?die sagen immer wir bekommen dadurch mehr arbeitskräfte.(falsch).die sparen an arbeitskräfte,weil ein prommi mit bei ist.ein normaler assi hat bei rtl oder sonsterwo nichts zu suchen.

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  1. hoolegans sagt:

    […] Interessanter “Schlagabtausch” bei dem beide Seiten zu Wort kommen. https://dingosaar.wordpress.com/2011/06/19/urheber-recht-und-realitat/ […]



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