Genderquatsch mit Gabriele

Im letzten Artikel ging es darum, die ganzen Schlagworte aus den Berichten über die Piraten zu definieren; bei “Feminismus” mußte ich kapitulieren, weil der Begriff für alles und jeden gebraucht werden kann. Ich bin bereit zu wetten, daß der Ausdruck auch schon für Pauline Réage, das Pseudonym des weiblichen Autors der Bücher “Histoire d’O” (1954) und “Retour à Roissy” (1969), verwendet wurde.

“EMMA” mag die Piratenpartei nicht. Das ist in Ordnung. Die “Piraten” sind eine MINT-Nerdzone. Hier findet man entweder Mathematiker, Informatiker, Naturwissenschaftler und Techniker selbst; oder Leute, die bei einer MINT-Party nicht spätestens nach einer Viertelstunde schreiend aus dem Raum rennen. EMMA – das heißt, Alice Schwarzer – mag kein MINT. Und Frauen aus dem MINT-Bereich mögen keine EMMA.

Trotzdem kann es EMMA nicht lassen, auf die Abweichler des wahren und orthodoxen Weges des Feminismus (der irgendwie merkwürdig riecht, grün anläuft und “Braaaaains!” vor sich hinstöhnt) einzudreschen – vor allem, wenn diese Abweichler gerade 9% in der Berlinwahl bekommen haben und damit die Autorin direkt bedrohen. So wie Gabriele Kämper, Leiterin der “Geschäftsstelle Gleichstellung” im Berliner Senat. Anstelle also zu schreiben: “Piraten im Senat bringen Unglück für meine Stelle”, postuliert sie: Frauen im Boot bringen Unglück.

Was steht in dem Artikel? Das, was man allgemein als “Schmähkritik” bezeichnen würde. Nein – kauft euch nicht die “EMMA”, um mitreden zu können – das Blatt verdient es, endlich bankrott zu gehen. Laßt ihn euch kopieren. Oder lest gleich die Auswertung bei Cymaphore. Eines ist klar: von einem “kritischen Artikel” kann da keine Rede mehr sein – es sei denn, man sieht “Ihr seid dumm und stinkt nach Wiesel!” noch als “Kritik” an.

Zu dem Artikel, sowie dem Medienhype um ein Bild einer(!) Frau mit brennender EMMA, hat der Bundesvorstand der Piratenpartei Stellung genommen.

Tenor, der uns hier interessiert: Piraten postulieren Post-Gender, sind gegen den Feminismus, und das ist ganz schlimm.

Falsch, falsch und – falsch.

Die Piraten haben sich zwar in vergangenen internen Auseinandersetzungen um Feminismus “Post-Gender” positioniert; leider aber, das ist verständlich, haben sich Post-Gender-Anhänger nicht zusammengeschlossen und ein Programm formuliert. Hier ist eine Chance vertan worden, und es wäre schön, wenn sie noch nachgeholt würde – bevor etwas beschlossen wird, was die “Post-Gender”-Fraktion nicht mehr mittragen können wird.

Doch wie kam es eigentlich dazu?

Caution. You are entering a MINT-Nerdzone! Check your IT and proceed at your own risk!

Man kann es drehen und wenden wie man will: In der Regel ist das Verhältnis zwischen der durchschnittlichen deutschen Frau und MINT keine Liebesgeschichte:

Als das Studium der Informatik an den Unis noch als Orchideenfach galt, wurde es gern von Frauen gewählt. Seit das Fach den Zugang zu den Schaltstellen der Informationsgesellschaft verspricht, sinkt der Anteil der Studentinnen. Auch im dualen Ausbildungssystem umweht die Informatik eine herbe männliche Note. Junge Frauen fühlen sich vom Beruf “DV-Kaufmann/Kauffrau” nicht mehr angesprochen, seit er in “Informatikkaufmann/frau” umbenannt wurde – auch wenn sich an den Inhalten nichts geändert hat. Als aus dem Ausbildungsgang “mathematisch-technische(r) Assistent/Assistentin” der/die “Fachinformatiker/in” wurde, sank der Frauenanteil von 60 auf 28 Prozent.

In anderen Ländern ist dies nicht so. Londa Schiebinger in “Frauen forschen anders” zitiert, daß 50% der Bachelor-Abschlüsse in Naturwissenschaften in den USA an Frauen gehen. Über Masters – der früher dort ein “Notnagel für abgestürzte Doktoranden” war, jedoch jetzt zur Standard-Einstiegsvoraussetzung geworden ist (DANKE für den Bologna-Prozeß, können wir jetzt mit einem reformierten Diplom und Magister weitermachen???) – zitiert sie keine Daten (Stand 2000), die Statistik der Promotionen gleicht der Deutschen.

Was bedeutet das für den IT-Bereich, aus dem sich Piraten besonders rekrutieren? Der alte Spruch: “60% der Frauen glauben an Engel. 40% der Informatiker glauben an Frauen.”, hat einen wahren Kern. Das Verhältnis zu Frauen bei MINT ist vergleichbar mit Kulturen mit großem Frauenmangel, wie im Wilden Westen: Selbst die rohsten und härtesten Männer behandeln Frauen mit besonderem Respekt und Zuvorkommenheit. Cymaphore:

Wie sich allerdings anhand unserer transparenten Parteistrukturen zweifelsfrei feststellen lässt, sind Frauen als Kandidaten innerhalb der Partei üblicherweise um ein vielfaches erfolgreicher als Männer.

Ein Beispiel ist etwa der Vorstand des Piraten BzV Stuttgart von 2009/10: Drei von fünf Vorstandsmitgliedern waren damals weiblich, einschließlich der Vorsitzenden. Ganz ohne Quote, ganz ohne dass 60 % der Mitglieder weiblich wären (damals waren das wohl eher 6 %, wenn überhaupt!). 100 % der Frauen, die damals für ein Vorstandsamt kandidiert haben, wurden gewählt.

Ein anderes Beispiel ist der aktuelle Bundesvorstand, der auf dem Bundesparteitag 2011.1 gewählt wurde. Für den Vorstand haben insgesamt 23 Männer und zwei Frauen kandidiert. Gewählt wurden fünf Männer und zwei Frauen. Es war also die Kandidatur von 100 % (!) der Frauen erfolgreich, während die männlichen Kandidaturen nur zu 21,7 % erfolgreich waren. Dennoch wirft man uns von vielen Seiten vor, dass wir wir keine Geschlechterquote haben.

Die Kritik an einer vermeintlichen Mysogynie geht völlig am Thema vorbei. Es ist dabei falsch zu glauben, daß Frauen bei den Piraten ohne Rücksicht auf ihre Fähigkeit gewählt würden; im Gegenteil kritisiert Marina Weisband viele Männer, die ihr nur Komplimente aufgrund ihres Aussehens machen. Meine Herren, ich rufe dazu auf, die Dame (ich werde mich hüten zu behaupten, Frau Weisband sei etwas anderes) nur anzusprechen, wenn Sie etwas zu sagen haben und sie ansonsten arbeiten zu lassen. Ich glaube, auch gut gemeinte Tips vor großen Auftritten sind nicht nötig.

Ist dies aber ein Zeichen für Geschlechtsvorurteile oder Unreife der Piraten? Die Partei hat über 20.000 Mitglieder, und auch Nicht-Mitglieder können sich an Diskussionen beteiligen. Wenn wirklich alle Mitglieder Frau Weisband gönnerhafte Komplimente machten, dann wäre sie bereits zurückgetreten; ebenso darf bezweifelt werden, daß alle “Galane” Mitglieder sind. Und: Marina Weisband kritisiert sehr deutlich die Presseberichterstattung über ihre Person, die mit Masse aus “Homestories” und gönnerhaften Sätzen wie “Würden Sie diese schöne Frau gern wählen” besteht. Also ganz sicher kein reines Piratenproblem.

Von einer, die auszug, den Feminismus zu lehren…

Eine Frau scheiterte jedoch: Leena Simon. Und die scheiterte mit Ansage und Anlauf. Christian Specht schrieb darüber eine Analyse:

Leena ist weiblicher Pirat im Landesverband Berlin und machte sich offenbar irgendwann Sorgen um die wenigen Frauen in unserer Partei. Irgendwie sind diese in Leenas Geisteswelt wohl total hilflos und schutzbedürftig. Aus diesem Grundgedanken heraus kam sie vor einiger Zeit unter anderem auf die fixen Ideen, die „Piratinnen“ zu gründen, eine geschlossene Mailingliste einzurichten, auf der nur Frauen lesen und schreiben dürfen, und unter dem Titel „Piratinnen – Klarmachen zum Gendern“ eine eigene Pressemitteilung dazu herauszugeben. Als pressewirksame Kulisse wurde dazu dann ausgerechnet ein Berliner Landesparteitag gewählt. So weit, so schlecht.

Derartige Ideen kamen zumindest in dieser Form bei vielen Piraten aus den verschiedensten Gründen nicht gut an. Im Gegensatz zu dem, was mancher wahrscheinlich erwarten würde, auch vor allem nicht bei weiblichen Piraten aus deren Reihen man einige der lautesten Protest-Stimmen hören konnte.

Dabei wäre die Idee im Ansatz gar nicht einmal hundertprozentig falsch gewesen, ließ aber einerseits viel zu viele Faktoren unberücksichtigt und war andererseits offenbar bestenfalls extrem mangelhaft kommuniziert worden, was auf einen medienwirksam inszenierten Alleingang hinauslief, bei dem sich Leena und eine kleine Anhängerschar recht wenig kritikfähig zeigten. Da das ganze jedoch ein gefundenes Fressen für all jene war, die ihr abstruses und völlig falsches Bild von den bösen frauenfeindlichen Piraten gerne bestätigt sehen wollten und schon mehrfach versucht haben uns eine innerhalb der Piraten völlig sinnlose Debatte aufzuzwingen, wurde Leena nicht ganz zu unrecht parteischädigendes Verhalten vorgeworfen und sie entsprechend ermahnt. Irgendwann kehrte dann auch wieder Ruhe diesbezüglich ein. Bis zum Samstag.

Da stand sie nun also und bewarb sich um den Posten als zweite Vorsitzende. Ganz blöde Idee.

Leena Simon selbst weist Kritik an ihrem Vorgehen zurück. Die Reaktionen anderer weiblicher Piraten waren umso härter. Sie positionierten sich klar gegen eine geschlechtliche Unterscheidung (Diskrimination, wörtl. Bedeutung). Auch von außerhalb kommt nicht nur Schmähkritik und Unverständnis: Fräulein Tessa, Social-Media-Referent im SPD-Vorstand(!), überschreibt ihren Artikel mit “Endlich normale Menschen!”.

Kontroverses AG-Triumphirat?

Leider blieb es dabei. Von den drei von Anicatha zitierten AGs schreibt Cymaphore über die “AG Männer”:

Kein Wunder also, dass im Schatten der gut gemeinten geschlechterignorenz handfest antifeministische Argumente aus rechten politischen Kreisen in dieser hippen jungen Szene blüht. Geht man beispielsweise auf die Internetseite der „AG Männer“ der Piraten, so findet man alle Themen der rechten und maskulinistischen Szene, vorgetragen im wortgleichen Duktus, wieder.
Alle Piraten die ich kenne, halten die AG Männer für eine kleine Gruppe Spinner. Keine von deren kranken Ideen hat es jemals ins Programm geschafft – zu recht! Aber in den Augen der Autorin ist die AG Männer scheinbar trotzdem absolut repräsentativ für die Piraten. Was soll man dazu noch sagen?
Nicht eine einzige parnerschaftliche und frauenfreundliche Initiative findet sich unter den Empfehlungen.
Klar, es ist ja auch die dumme AG Männer. Oder empfielt die EMMA dann demnächst Manndat? Also. Wie gesagt. Piratenpartei != AG Männer!
Die AG Männer und diese Stimmen bilden nur einen Teil der Piratenrealität ab.
Ich behaupte: Keinen. Aber wenigstens etwas. Und warum zum Teufel befasst ihr euch dann nicht stattdessen eben auch mit dem anderen Teil?

Diese Aussagen sind für’n Arsch!

Entschuldigen Sie die Formulierung. Ich hätte es vielleicht anders ausdrücken können. Es hätte am Inhalt nichts geändert und der Deutlichkeit geschadet.

Wenn die “AG Männer” eine “kleine Gruppe Spinner” ist, dann löst sie auf. Eine AG, die eine eigene Website hat, wird als Teil der Piratenpartei gesehen. Entweder, wenn die AG mehrheitlich nicht gewünscht wird, entzieht ihr das Mandat. Oder kommuniziert mit ihnen.

Jemand, der sich in eine AG einbringt, investiert einen Teil seiner Freizeit und viel Arbeit. Es ist ein Gebot der Fairneß, zu kommunizieren, wenn seine Arbeit nicht gewünscht wird. Und solange eine Website mit Parteilogo und Verweis auf die Piratenpartei draußen ist, geht der Außenstehende nicht davon aus, daß das “eine kleine Gruppe Spinner” ist, die “keinen” Teil der Piratenrealität abbildet.

Wenn die “AG Männer” keine brauchbaren Positionen zur Politik aus männlicher Perspektive erarbeitet – was ihre Aufgabe wäre -, dann ist es die Aufgabe eines Moderators, zu vermitteln. (Männer wie Frauen, denen der Männerpolitik-Ansatz der AG Männer nicht gefällt, können übrigens auch einfach beitreten und ihre Vorstellungen dort einbringen – oder habe ich AGs falsch verstanden?)

Es ist klar, daß “Liquid Democracy” auch für die Piraten noch Neuland ist; und eine intensive Betreuung aller AGs nicht möglich ist. Wenn wirklich eine AG als “kleiner Haufen Spinner” gilt, dann ist aber etwas gehörig aus dem Ruder gelaufen und ein Eingreifen nötig – sei es durch einen vom Bundesvorstand delegierten Moderator oder ein Vorstandsmitglied.

Post-Gender – das unbekannte Wesen

Versäumt wurde, im Dialog miteinander das “Post-Gender-Prinzip” zu beschreiben, klarzustellen, was sich seine Verfechter darunter vorstellen.

Gut, ich kann mir die Antwort der Betroffenen, vor allem Frauen, sehr gut vorstellen: Sie sind offenkundig zur Partei gekommen, um dem “Genderquatsch” zu entfliehen – und sollen nun “als Frau” beschreiben, warum sie nicht “als Frau” gesehen werden wollen und wie sie sich die Sache vorstellen. Diese Aufforderung würde ich den entsprechenden Frauen nur aus sicherer Entfernung und in guter Deckung zuleiten.

Trotzdem ist es wichtig, darüber gerade mit weiblichen “Gender”- und “Feminismusgeschädigten” zu reden.

Piratinnen, Transsexuelle Eichhörnchen und viel Himbeer-Cremant.

In der Bundespressekonferenz verwies Marina Weisband auf eine feministische Gruppe innerhalb der Piraten: den Kegelklub. Diese Gruppe hat jetzt den Status der drei ehemaligen AGs übernommen und wird gefragt, wenn es um geschlechtspolitische Positionen geht.

Damit nichts falsch verstanden wird: Der “Kegelklub” hat viele gute Ansätze und versucht den “Feminismus mit menschlichem Gesicht” – laPrintemps hat mit dem Begriff “Equalismus” sogar versucht, einen “gemäßigten Feminismus” von dem Bedeutungswust des Feminismus abzugrenzen. Im Sinne einer dialektischen Auseinandersetzung (These, Antithese, Synthese – Rede, Gegenrede, Kompromiß) könnte die Partei gar keinen besseren feministischen Vertreter haben.

Nur: Er ist einseitig. Er ist verkopft und kann alleine aus seinem Kontext gar nicht für die Mehrheit deutscher Frauen sprechen – die es nun wirklich langsam verdient haben, daß man ihre Probleme ernstnimmt.

Viele Äußerungen gehen dabei von eloquenten Feministen aus; vielleicht ist das auch ein subjektiver Eindruck. Mein Bild des “feministischen weiblichen Piraten”: Twen, ESGW (Erziehungs-Sozial-Geistes-Wissenschaften)-Studium, kinderlos, gut vernetzt (Veröffentlicht im “Freitag”, Telepolis, FAZ-‘Blogs etc…), privilegiert, Erfahrung in politischen Hochschulgruppen, oftmals Hintergrund bei den “Grünen”. Vielleicht der prominenteste Piraten-Feminist: Julia Schramm aka laPrintemps, Doktorant in Politologie, oder müslikind, Dipl. Pädagoge. Man kann dem “Kegelklub” seine einseitige Perspektive nicht vorwerfen, weil er nun einmal keine andere hat. Und dafür sind die Artikel dort meist sehr ausgewogen.

Sehr wohl kann man ihm jedoch vorwerfen, seine Positionen zu selten zu hinterfragen und andere Meinungen nicht genügend auszuwerten. Daß gefühlt jede Frau bei den Piraten eine Korona von “Fanboys” hinter sich herzieht, ist ein Problem – aber außer zu hoffen, daß die Damen sich das nicht zu Kopfe steigen lassen, kann man da nichts ändern. Wenn dadurch auch der eigenen Meinung völlig gegensätzliche Äußerungen im “Shitstorm” kommentiert werden, dann ist das aber ein Unding.

Aus diesem Grunde ruft Marina Weisband die ganze Partei zu mehr Sachlichkeit auf. Und daran sieht man auch das Problem der Quote: Professor Kruse sieht kreativen Streit als wesentlich für Weiterentwicklung an. Wird der unterbunden – sei es, weil “Streit” wie in “Wikipedia” und “indymedia” nicht mehr sachlich geführt wird, sei es, weil ihm komplett ausgewichen wird – so entwickelt sich eine Gruppe nicht weiter.

Hat die Gruppe der Frauen es besser, weil sie eine Quote hat?

Auf der Mitgliederversammlung wurden die Delegierten für die nächste Bundesdeligiertenkonferenz [der GRÜ] gewählt. Es standen sechs Plätze zur Verfügung, drei für Männer und drei für Frauen. Die zehn männlichen Bewerber kämpften um jeden Platz, kannten jede Beschlussvorlage und verteidigten verbissen ihre politischen Positionen. Bei den Frauen lag dies anders, es waren nämlich nur drei Frauen anwesend. Die Erste bewarb sich, weil sie schließlich auch zu den letzten vier BDKs gefahren sei, die Zweite wollte sich „so eine BDK auch mal anschauen“ und die Dritte konnte erst zu einer Teilname überredet werden, nachdem man ihr die Übername der Reisekosten versprochen hatte. Da soll sich jetzt jeder selber eine Meinung drüber bilden.

Alles auf Gefechtsstation!

Liebe Piraten, der Post-Gender-Ansatz ist weit besser als sein Ruf – bitte, bitte gebt ihn nicht auf. Verteidigt ihn. Gründet ein “Post-Gender-Kaffeehaus” gegen den “feministischen Kegelklub” und haut ihnen Marina Weisbands Artikel solange um die Ohren, bis sachlich gestritten wird. Redet mit den Leuten der AG Männer und streitet auch mit ihnen um die richtigen Positionen – selbst laPrintemps und müslikind haben in einem Podcast deren wesentliche Kernthemen schon angesprochen und vertreten.

Laßt euch nicht kapern, sondern seht zu, daß die legitimen Positionen aller drei Strömungen zu einer Synthese vereinigt werden – und führt überkommene Ansichten bei allen drei der Kompostierung zu! Laßt euch nicht von der Presse vor sich hertreiben wie die Linke im “Antisemitismusstreit”.

Das letzte Wort hat Gandhi:

Zuerst ignorieren sie dich,
dann lachen sie über dich,
dann bekämpfen sie dich und
dann gewinnst du.

Comments
3 Responses to “Genderquatsch mit Gabriele”
  1. Sylvia sagt:

    Im Prinzip hast du wohl AGs ein bisschen falsch verstanden.

    Jede Gruppe kann sich AG nennen und eine wikiseite erstellen oder eine Mailingliste beantragen. Ob daraus je etwas produktives entsteht ist dabei offen. Die AG Umwelt oder die AG Drogen haben z.B. Positionen erarbeitet und Anträge gestellt, die dann auch angenommen wurden. Es gibt AGs die seit 2 Jahren nicht mehr aktiv waren, andere werden sporadisch aktiv und dritte sind aktiv, aber nur mit innerem Streit beschäftigt (z.B. die AG Bildung).

    Letztere ist auch ein Argument dafür, dass AGs sich auf ein Ziel und ein paar Grundlagen einigen um überhaupt produktiv zu sein. Andere AGs sind wiederum eher Selbstzweck. Also ja, es gibt die AG Männer und der Konsens ist erstmal tendenziell sind das eher Spinner – aber die AG hat auch meines Wissens nach noch nie versucht an ihrem Image etwas zu ändern, in dem sie z.B. mal ihre Positionen als Antrag formuliert.

    Z.B. gibt es bei uns auch die austiegskritische Nukleria. Die würde man ebenfalls als extreme Minerheitenposition abtun, aber so etwas erfordert trotzdem kein eingreifen eines Vorstands oder Moderators. Eine beliebige Gruppierung soll eine nicht-abgestimmte Meinung (vor allem eine Minderheitenmeinung) nicht als offizielle Position der Piraten darstellen. Deswegen hat Leena damals Ärger bekommen. So lange sie das nicht tun (und das tut meines Wissens die AG Männer auch nicht) kann sie so produktiv oder unproduktiv sein wie sie möchte. Jedoch muss die Presse und die Öffentlichkeit lernen.

    Wir sind eine Mitmachpartei und arbeiten zum Großteil nach außen hin offen (so lang man sich im Wiki-Chaos etc zurechtfindet) – es ist also absolut zu erwarten, dass solche Minderheitenmeinungen entstehen und sich die Leute auch zusammenschließen. Aber man kann von deren Existenz nicht auf den Rückhalt ihrer Positionen in der Partei schließen. Dazu muss man dann auch mal die Mitglieder fragen oder entsprechende Meinungsbilder heranziehen.

    Z.B. hatte die AG Drogen bis vor dem letzten Bundesparteitag auch noch keine offizielle Bestätigung ihrer Positionen. Aber ich hätte ohne Probleme sagen können, dass eine liberalisierte Drogenpolitik prinzipiell durchaus breite Zustimmung in der Partei hat. Bei anderen AGs kann man ähnliche Abschätzungen machen.
    Nimmt man jetzt die Wikiseite der AG-Männer als Grundlage, so klingt das alles auch noch halbwegs vernünftig und zumindest in Teilen als zustimmungsfähig. ( http://wiki.piratenpartei.de/AG_Männer ) – aber auf Grund diverser Leute, die sich die Positionen näher angeschaut haben bzw. auch die Nähe?/Links zu den eher extrem wtf-Konservativen Männerrechtsgruppen oder dem Streit in Konstanz gilt die AG Männer mehr als Sammelbecken für Spinner.

    Daraus folgt aber kein Auftrag für den Bundesvorstand die Gruppe zu schließen, oder dafür zu sorgen, dass sie nicht mehr als Spinner gelten. Denn das ist so ein bisschen top-down eingreifen in die Meinungsbildung. Der AG Männer ist ihr Image durchaus bewusst und es liegt an ihnen, durch vernünftige Anträge und Positionen sowie Blogbeiträge etc. von diesem Image wegzukommen. Dieser Wille ist jetzt nicht unbedingt erkennbar.

    Für die weitere Diskussion wäre es sicherlich hilfreich, wenn die verschiedenen Gruppen sich mal zusammensetzen, aber im Zeifel gehts auch ohne.

    • dingosaar sagt:

      Hm… denke, AGs hat auch die Piratenpartei nicht 100% richtig verstanden.

      Um ignoriert debattieren zu können, braucht man definitiv keine Piraten. Nimm den Kreis liberaler Sozialdemokraten, der – neben den “Piraten in der SPD”, auch ignoriert – in der SPD den Piraten am nächsten stehen dürfte. Eine gute Gruppe, die eine sehr hochstehende Diskussion führt und viele gute Ansätze hat.

      Reaktion der SPD darauf?

      In Hamburg konnte es vor der Bürgerschaftswahl im Februar gerade noch verhindert werden, dass die selbst ernannten Parteiliberalen an die Öffentlichkeit gehen. Nach dem Wahlsieg möchte sich niemand aus der Parteiführung in der Hansestadt öffentlich zu dem Thema äußern. Ein führender SPD-Mitarbeiter sagt allerdings, die Parteispitze habe beschlossen, die Gruppe, so lange sie keine Ansprüche stelle, zu tolerieren, sie aber nicht zu kommentieren.

      Write a letter, then burn it: Feedback.

      Wer braucht also die “Piraten”, um Positionen zu entwickeln, die ignoriert werden? Den Service bieten alle Parteien. Wenn ich mich recht erinnere, ist der Vorstandsbeschluß, AGs auch “offiziell” machen zu können, genauso wenig umgesetzt wie die Verankerung der AGs als Parteigremien oder auch nur einem Vorstandsamt, das Kontakt zu AGs sucht.

      Zur Basisdemokratie gehört, daß es Fachausschüsse/Arbeitsgruppen gibt, die Positionen ausarbeiten – und die auch vom Vorstand gehört werden. Sehr schön bei den “Piraten”: Wer sich genug damit beschäftigt, das Sync-Forum zu finden, kann auch die Kommunikation der AG transparent mitlesen. Sehr bedenklich daran: Die Bildung von “informellen” einflußreichen Interessensgruppen, wie der feministische “Kegelklub”, die außerhalb dieser Transparenz stehen. Finde leider den Link nicht mehr, aber nach einem ‘Blog eines Piraten gibt es “Seeheimer Kreise” in der Piratenpartei gar nicht – also scheint der “Kegelklub” wohl eine Fata Morgana zu sein, da nach Christian Morgenstern “nicht sein kann, was nicht sein darf”.

      Daß die meisten AGs, u.a. die zum von Bernd Schlömer als Kernthema der nächsten Monate angekündigten “Dezentralen Parteitag”, nicht mehr aktiv sind und AGs so eher ein “Auslaufmodell” zu sein scheinen, ist auf jeden Fall bedenklich.

      Weder weiß ich, was genau mit der “AG Männer” (deren Seite, trotz vielfältiger Berichterstattung und dem Grundsatz “Archivieren vor Löschen” zeitweise gelöscht war) los war. Die AG ist “ruhend”, die Übergabe an einen anderen Koordinator nach Austritt des einen und Rückzug des anderen ist am laufen. Dieser Koordinator hat mir BTW sehr ausführlich Rede und Antwort auch zu kritischen Fragen gestanden; was man von FUDdenden WMFs auch innerhalb der “Piraten” leider nicht sagen kann. Auch Bekannte, die schon länger Piraten sind, konnten mir nicht sagen, weshalb die “AG Männer” so ein rotes Tuch zu sein scheint und woher dieser “Konsens” eigentlich kommt.

      Selbst kenne ich (nach Deinem Kommentar: im Gegensatz zu Dir. HÄÄÄ?!?!?) nur den Antrag “Gemeinsames Sorgerecht als Regelfall, Umgangsrecht stärken”. Ich finde, es ist ein guter Antrag, bei dem ich jeden Punkt unterschreiben könnte; nimm’ aber nicht mein Wort dafür, Ende 2010 hat das BVerfG einen Kernpunkt des Antrags in 1 BvR 420/09 durch seine Rechtsprechung auch gefordert. Der AG Männer ist ihr Image durchaus bewusst und es liegt an ihnen, durch vernünftige Anträge und Positionen sowie Blogbeiträge etc. von diesem Image wegzukommen. Dieser Wille ist jetzt nicht unbedingt erkennbar. Erkennbar being the operative word here…

      diverser Leute, die sich die Positionen näher angeschaut haben bzw. auch die Nähe?/Links zu den eher extrem wtf-Konservativen Männerrechtsgruppen… hört sich für mich nicht nach überzeugender, dem Imago der Piratenpartei entsprechender Argumentation an. Ich habe in Mumble, per Mail und bei Bekannten rumgefragt und mit dem neuen Koordinator der AG länger telephoniert; Du als “Pirat” vertraust auf “diverse Leute”, die sich die Positionen “näher” (was heißt das überhaupt?) angeschaut haben? Klingt für mich ziemlich “grün”. Links zu “eher extrem konservativen Männerrechtsgruppen” (WTF heißt in diesem Zusammenhang bitte “wtf”?) sind sicherlich unschön, aber WTF sind für Dich “extrem wtf-konservative Männerrechtsgruppen”? Agens e.V.? Denen habe ich mehrfach sehr deutlich widersprochen, aber “extrem” sind sie für mich nicht (und die folgende eMail-Korrespondenz war immer sehr sachlich, freundlich und angenehm – im Gegensatz zu….). Des weiteren, wo genau ist die Distanzierung des Kegelklubs zur “Mädchenmannschaft” / Nadine Lantzsch, die sich sogar entblödet, ihre nach korrekter SRP-Verbots-Definition extremistische Ablehnung des Rechtsstaatsprinzip und der EMRK wie der UNO-Menschenrechtserklärung noch zu verschärfen? Oder zu Antje Schrupp, die die als Sekte (incl. Aussteigerhilfe) eingestufte “Matriarchatsforschung” (nach einer ollen Kamelle von Johann Jakob Bachofen, wohlwollend aufgegriffen von Erich Fromm, wissenschaftlich widerlegt von Uwe Wesel) vergöttert – obwohl die Versuche Göttner-Abendroths, die Berichterstattung wegen unzutreffender Berichterstattung vom Presserat rügen zu lassen, abgewiesen wurden.

      Für mich stellt sich die “AG Männer” so dar, daß es wohl Probleme gab (vom neuen Koordinator klar bestätigt, aber der seinerzeitige Koordinator trat bereits Ende 2010 aus der Partei aus); sie einen sehr guten und Praxisbezogenen Antrag stellte, der am Quorum scheiterte (was man beides vom sehr viel schlechteren Equalismus-Antrag des “Kegelklub”-Kreises nicht sagen kann). Verlinkungen sind unschön, aber auch hier gehen Feministen innerhalb der “Piraten” mit gutem Beispiel voran. Dagegen gibt es einen (angblich nicht existenten) “informellen Kreis”, der sogar von der berliner Fraktion um Stellungnahme gebeten wird.

      Das kennen wir alle noch von anderen Parteien. Wehe, wehe – die “Piratenpartei” nähert sich auf jeden Fall bedenklich der “dunklen Seite der Macht”!

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  1. [...] Dingosaar fand ich diesen Text bei Felix Werner Ludwig in dem Beitrag „Wie ein Pirat den Feminismus [...]



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