Bonvi’sche Theorie der Sprachfindung

Bonvi ist vielen Soldaten und Wehrpflichtigen als Autor der “Sturmtruppen” ein Begriff. Darin schaffte er es, viele Situationen des Alltags perfekt zu erfassen. Wer wünschte sich nicht, im Ernstfall unter dem Kommando des Kapitanen della Kompagnien zu stehen, dessen Leben – und Tod – und Leben nach dem Tod – eine echte Heldengeschichte ist?

Die “Sturmtruppen” lohnen sich immer wieder zu lesen, auch wenn der ConPart-Verlag sie 2006 eingestellt hatte – und vorher mit eher dümmlichen Inhaltsangaben weit hinter dem Potential des Werkes zurückblieb. Was wäre eine Ausgabe mit einer Rubrik “Sturmtruppen heute – Geschichten aus dem wahren Truppenalltag”, in dem Soldaten ihre realen “Sturmtruppenerlebnisse” einschicken, erfolgreich gewesen! Naja, vielleicht kommt sie ja irgendwann in die Bundeswehr aktuell, seit Beetle Bailey gibt es darin leider keinen Soldatencartoon mehr.

Hier soll es aber nicht um die Werke des 1995 viel zu früh gestorbenen Franco Bonvicini gehen; eher interessant ist seine Sprache der Sturmtruppen im Italienischen:

Bonvi lässt die Sol­daten ein “verdeutschtes” Italienisch sprechen, indem er bei jedem zweiten Wort die Endung “en” anhängt, und das weiche Italie­nisch mit vielen harten Konsonanten versetzt.

Diese Pionierleistung ist interessant. Findet sie sich doch auch bei einigen “Pro-Israelis” mit neu entdeckten eigenen jüdischen Wurzeln.

Leider geht das öfters mal schief:

Dass „HaKadima“ kein echtes hebräisches Wort ist und in etwa mit „Das Vorwärts“ übersetzt werden könnte, fällt nur Leuten auf, die hebräisch können. Eine „echte“ Bedeutung hat das Wort nicht – es klingt nur einfach sehr hebräisch. Ein wenig zeigt sich vielleicht auch die Vermessenheit der “Aufklärer in Sachen Israel”, ist doch “Kadima” der Name der damaligen Regierungspartei, die Ariel Sharon zur Durchsetzung des Abzugs aus Gaza – und gegen den Widerstand Netanyahus – gegründet hatte.

Tja. Irgendwo einen Juden in seinem Stammbaum zu finden und darauf eine Karriere aufzubauen, hat manchmal schon geklappt; vielleicht erinnert sich noch jemand an Edith Renate Ursula Rosh, die ihre Warhol’schen 15 Minuten Berühmtheit vor allem dem Holocaust-Mahnmal in Berlin verdankt.

Damit in Zukunft bei solchen Versuchen Tröpfchen nicht zu oft ins Höschen, sondern im Töpfchen landen, hier einige Tips zum richtigen Pseudo-Iwrith:

  1. Alles wird gleich “hebräischer” und klingt gleich mehr nach Iwrith, wenn man ein “ha” davorsetzt. haKadima, haDurak, haRindviech… kann man auch mit einem Namen machen: So wird der urdeutsche “Fischer” gleich iwrithischer, wenn man daraus haFischer macht. Ja, Dopplung kann hier einen besonders jüdischen haFischer aufzeigen, sozusagen 150%ig echt jüdisch: hahaFischer.
  2. Hinter das “ha-” muß natürlich auch etwas iwrithisches. Wie aber schafft man das, wenn man selbst weder von alttestamentlichem Hebräisch noch von modernem Iwrith eine Ahnung hat? Zuerst kann man, in Verbindung mit Regel 1, bestehende Iwrith-Ausdrücke verwenden. Kadima? haKadima. Likud? haLikud. haNetanjahu. haLieberman. haHammantasche. haKaputt. Keine Angst, es sprechen nur ca. 11 Mio. Menschen Iwrith, davon leben 7,8 Mio. in Israel – die Wahrscheinlichkeit, daß jemand das für ziemlich haMeschugge hält, ist relativ gering.
    Auch zu empfehlen: Israelische Waffen. haGalil gibt es schon, dafür hat die Kombination auch Sinn, ist also für den 150%igen eher uninteressant. haUzi. haMerkava. haKfir. haNagmachon. haSabra Mk III. haCAT D9R. haMagal. haTavor. Etwas komisch klingen haDesert Eagle und haJericho 941 – wobei allerdings +972mag ein existierendes israelisches Magazin ist, so daß kaum jemandem auffällt, daß “941mag” keinen Sinn ergibt.
    Man (oder wîp, es muß ja “gegendert” sein, um “frauenfeindlichen Musels” entgegenzutreten) kann auch existierende Magazine abwandeln. haOlam haZeh, ein ehemaliges Magazin von Uri Avnery – haOlam. haAretz – Aretz. (Warunung: hier muß man sich hüten, “Eretz” statt “Aretz” zu verwenden, das wäre nämlich richtig.) 941mag hatten wir oben.
  3. Ums verrecken kein Iwrith-Wort aufzutreiben? Dann versuchs halt mit einem anderen Wort einer Sprache, die keiner kennt. haPravda. haIswestija. haTschepsut. haJazyra.
  4. Nun fehlt nur noch die Förderung. Hier hilft es, vielleicht vorher schon bei der NPD oder der MLPD ausgestiegen zu sein, solange man glaubhaft machen kann, daß man jetzt haRmlos ist, werden die Fördertöpfe jetzt Geld geben, damit man nicht irgendwann bei der alQaida, haMmas oder alKaseltza einsteigt. Insofern kann sich die Idee sogar richtig lohnen – UND, das Geld, das man selbst einsackt, kommt nicht mehr seriösen Projekten und aussagekräftigen Denkmalen zugute.

Das sollte erstmal reichen, um die wichtigsten Klippen (haKlippot) zu umschiffen. Solange man jetzt nur nicht verführt wird, z.B. in einem Internetportal echte Inhalte anzubieten – also man sie von rechtsgerichteten Portalen übernimmt und in der Übersetzung grob kürzt – wird man auf jeden Fall einen immer steigenden Webcounter und eine treu nickende Leserschaft gewinnen.

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